Kinder im Wald

09.11.2009 00:00

Kinder im Wald

Mit Spannung und gemischten Gefühlen traten die 36 Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse die Reise zum Forstpraktikum nach Schloss Rittershain im Osten Hessens an. Die Koffer und Rundsäcke waren neben dem Üblichen  mit Beilen, Klappsägen, Handschuhen und Arbeitskleidung beladen, denn diese Fahrt sollte keine Klassenreise im gewohnten Stil werden, sondern ein Arbeitseinsatz in und um das im waldreichen Waldhessen einsam gelegene ehemalige Schloss herum.
Nach dem freundlichen Empfang durch Familie Schmidt bezogen die Mädchen und Jungen ihre jeweiligen Quartiere für die kommenden neun Tage. Täglich gab es nun nach einem leckeren Frühstück eine gute Stunde „Vorlesung“ beim Leiter der Forschungsbaumschule Stephan Schmidt, der schon seit 1982 Forstpraktika für Schulklassen anbietet und sich seit einigen Jahren darüber hinaus in Wiederaufforstungsprojekten in China und Tibet engagiert. Herr Schmidt erläuterte den Siebtklässlern auf lebendige und humorvolle Art und Weise den Organismus Wald und die damit verbundenen ökologischen, klimatischen und wirtschaftlichen Fragestellungen.
Mit Feuereifer gingen die Schülerinnen und Schüler der Waldgruppe ans Werk, wenn es galt, Waldstücke auszulichten, zu entasten und das Holz in anderthalb Meter lange Stücke zu zerlegen. Das Kleinholz wurde zu Haufen aufgeschichtet, die Schutz und Deckung für viele Waldtiere bieten. Immer wieder klang der Warnruf „Baum fällt!“, wenn die zwölfköpfige Schülergruppe unter Anleitung ihres Klassenlehrers Bäume fällte. Das zweite Drittel, die Baumschulgruppe, die von Schülervater Thomas Oetting betreut wurde, bereitete vorrangig Beete für die Aussaat von Eicheln und Ahornsamen vor und versorgte diese mit Waldkompost. Die Hausgruppe musste noch einmal geteilt werden. Die eine Hälfte war unter Anleitung von Frau Schmidt für die Zubereitung der reichhaltigen und abwechslungsreichen Mahlzeiten zuständig, denn bei all der Arbeit an der frischen Luft entwickelten die Schüler einen mächtigen Appetit. Vormittags und nachmittags stand außerdem großes Reinemachen mit der die Klasse begleitenden Schülermutter Gabi Wolf  auf dem Programm. Diese sechs Schülerinnen und Schüler waren auch für den Holznachschub verantwortlich, denn alle Gebäudeteile werden mit Öfen beheizt. Wer es also warm haben und nach getaner Arbeit heiß duschen wollte, musste erst einmal Holz hacken und stapeln. Bei all den Arbeiten gingen die Schüler der 7. Klasse nach anfänglicher Skepsis mit Freude und Elan zur Sache. Neben den freien Zeiten zum Ausruhen, Lesen und Klönen gab es allerdings auch noch die Pflichtübung, Tagesberichte zu schreiben.
Als krönender Abschluss durfte jeder am vorletzten Tag des Praktikums auf dem Eschkopf noch eine kleine mit Namen versehene Esche pflanzen. In der Abschlussrunde am Abreisetag wurden die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse für ihren Einsatz gelobt und bekamen von Herrn Schmidt junior eine Urkunde überreicht. Ein paar Tage später meinte ein Schüler der Klasse: „Ich hätte ja nicht gedacht, dass das Praktikum soviel Spass machen würde!“
    
                           Alfons Thelen-Brücher

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