HAIR Musical der 10. Klasse

27.05.2018 16:38

„Geht es Ihnen nicht genauso?“

Die Songs und Texte wurden in Englisch einstudiert. Begleitet von einer Rockband aus Musikerfreunden- und Eltern sangen die Schüler die bekannten Hits in Originalversion, oft vierstimmig. Zusätzlich zum Chor- und Musikunterricht erhielten die Schüler zur Stimmbildung und Intonation professionellen Gesangsunterricht. Während der intensiven Probenarbeit wurden gemeinsam die Kostüme und Frisuren, das Bühnenbild und die Requisiten ausgewählt. Mutig haben die Schauspieler mit Echthaarperücken die Hippies der 68er Zeit aufleben lassen, eine überzeugende Gesamtleistung aller Schüler.

Das Regiekonzept von Regisseur Rob Barendsma ließ alle Schüler gemeinsam auf der Bühne agieren, um so jeden in das Spiel mit einzubeziehen. Vor allem durch die gelungenen Tanz-Choreographien während der Songs gab es nach jedem Hit Applaus.

Während der Proben haben sich die Schüler mit Rob Barendsma intensiv mit dieser Zeit des Umbruchs der 68er befasst. „HAIR“, eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt, setzt sich Mitte der 1960er Jahre mit dem Lebensgefühl der Jugendlichen auseinander, das vom Krieg in Vietnam, dem KrKonflikt zwischen den Hautfarben (weiß, schwarz, gelb, rot) und dem Protest gegen die bürgerlichen Strukturen geprägt ist.

Die Fragen und Diskussionen um die gesellschaftlichen Hintergründe sind in die Inszenierung eingebunden. Was waren die Werte, für die die Jugendlichen damals auf die Straße gegangen sind?

Es war das Sehnen nach Frieden in der Welt nach jahrelangem Krieg in Vietnam und vielen toten Soldaten. Nach Freiheit, gegen die vielen gesellschaftlichen Beschränkungen und Tabus. Nach Liebe, nicht nur nach freier Liebe, sondern auch nach der tiefen Verbundenheit untereinander - unabhängig von Hautfarbe und Herkunft. Nach Wahrheit, danach authentisch und wahrhaftig sein zu dürfen und es war ein Sehnen nach Einheit mit der Mitwelt.

Wie aktuell sind die Themen der Hippie- oder Flowerpowerbewegung noch heute?

Noch immer herrscht Unfrieden und Krieg in vielen Ländern. Derzeit finden weltweit 20 Kriege vor unser aller Augen statt. Mehr als in den 1960er Jahren. Stehen unsere Jugendlichen, stehen wir heute für den Frieden auf?
Sind wir frei? In den äußeren Strukturen hat sich in vielen Ländern vieles verändert. Beispielsweise ist Homosexualität in Deutschland inzwischen legitimiert anders als noch 1965 in Amerika. Aber sind wir frei in unserem Handeln, Denken und Fühlen und sind wir uns unserer freien Wahl und der damit verbundenen Verantwortung tatsächlich bewusst und üben wir sie auch aus?
Fühlen wir uns verbunden mit unserem Nächsten und dazu notwendig: fühlen wir uns mit uns selbst verbunden, nehmen wir uns selbst an, so wie wir sind? Spielt die Hautfarbe, die Herkunft heute keine Rolle mehr?
Wie gehen wir mit dem anderen um, der sich wahrhaftig zeigt und äußert? Was, wenn es unsere Kinder sind? Hören wir Ihnen zu? Wie tolerant sind wir?
Und fühlen wir uns heute in Einheit mit dem anderen Menschen, aber auch mit der Natur und allen anderen Lebewesen?

Das hat schon die Eltern- und Großelterngeneration unserer Jugendlichen angetrieben. Sind wir nicht immer noch gebeten, unbequem und anders zu sein? Können Ideale je zu hoch sein? Gilt es auch für uns, uns unsere Ideale wieder bewusst zu machen und dafür zu gehen? Ist das alles nur Thema der Jugendlichen? Und ist es Thema der Jugendlichen heute?

Die 10. Klasse hat gezeigt, wie viel Kraft und Lebensfreude in ihnen steckt. Ein großer Zusammenhalt war spürbar und die Bereitschaft, sich auch mit kritischen Themen auseinanderzusetzen. Dass Ihr Eure Ideale und Werte in Euch lebendig haltet und wir sie in uns wieder entdecken und dafür stehen, das wünsche ich uns.

Stefanie Horst / Sabine Makrutzki

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