Hoffnung und Untergang im KZ Theresienstadt

09.04.2011 14:53

Klassenspiel der 8. Klasse

Leb wohl Schmetterling
Das Leben einer jüdischen Familie

Mit dem Leben einer jüdischen Familie in der von den Nationalsozialisten besetzten Tschechischen Republik beschäftigte sich das diesjährige Theaterstück der 8. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt. Hinter dem poetischen Titel „Leb wohl, Schmetterling“ verbargen sich szenische Bilder der fiktiven Familie Sternheim und ihres Freundeskreises aus der Zeit vor und nach der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt, das als Durchgangslager insbesondere für jüdische Kinder, alte Menschen, Wissenschaftler und Künstler diente.
Zuvor hatten sich die Schülerinnen und Schüler bereits im Geschichtsunterricht bei Klassenlehrer Alfons Thelen-Brücher mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. Sowohl in der Unterrichtszeit, als auch an so manchem Probensamstag wurden in kleinen Gruppen über mehrere Wochen die einzelnen Szenen erarbeitet. Jeder Schüler musste mindestens eine Rolle erlernen, häufig gleich mehrere oder zusätzliche „stumme“ Rollen. Hinzu kam, dass musikalische Einlagen eine bedeutsame Rolle bei diesem Stück spielen und auch diese mussten eingeübt werden. Glücklicherweise stand hier den Lehrern eine Reihe fachkompetenter Eltern zur Seite. Die Komplexität des Stückes war nur von einem starken Team zu bewältigen und stellte hohe logistische Anforderungen – eine Herausforderung nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für die ganze Klassengemeinschaft. Dass am Ende alles zusammenpasste, zeigt sich dann in den vier Aufführungen, in denen die Schüler engagiert, bewegt und für Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen bewegend aufspielten. Einige Schüler zeigten außerdem ihr musikalisches Talent, indem sie Lieder jüdischer Komponisten sangen oder spielten, die in der damaligen Zeit in jüdischen Konzentrationslagern entstanden oder aufgeführt wurden, wie den „Theresienstädter Marsch“, eine Art Ghetto-Hymne, oder den jiddischen Klassiker „Bay mir bistu sheyn“. Unterstrichen wurde die Authentizität des Stücks auch durch die Einspielung von Originalstimmen und Leinwandprojektionen von Originalfotos aus Theresienstadt.
„Ich habe schon eine ganze Reihe Klassenspiele mit einer 8. Klasse erarbeitet, aber dieses hier war durch die Thematik auch für mich etwas Besonderes. Die Schülerinnen waren sich insgesamt ihrer Verantwortung, den  Inhalt des Stückes überzeugend rüberzubringen, bewusst und haben sich wirklich darauf eingelassen und tief mit ihren Rollen verbunden. So entstand ein ausgesprochen intensiver Arbeitsprozess und in den Aufführungen konnten einige SchülerInnen gerade dadurch die Zuschauer berühren, dass sie nicht etwas vorspielten, sondern sich mit den Menschen, die sie darstellten, identifiziert hatten“, blickt Frau Gabriele Brücher, die gemeinsam mit dem Klassenlehrer die Regie und schauspielerische Arbeit mit den SchülerInnen ausgeführt hat, zurück. 
„Ich fand es gut, mal etwas Ernstes, nichts Lustiges aufzuführen“, berichtete ein Schüler, der  auch schon mit seinen Großeltern, die extra zur Aufführung gekommen waren, über den Nationalsozialismus gesprochen habe. Eine andere Schülerin sagte, es habe sowohl während der Proben als auch bei den Aufführungen Momente gegeben, die sehr traurig waren. Das Stück habe ihr dennoch gut gefallen, da es trotz der schrecklichen Geschehnisse „auch irgendwie schön ist, weil die Menschen das Beste aus der Situation machen, und weil sie sich wehren, aber ohne Waffen“, so die Schülerin weiter.
Das Theaterstück, das die Achtklässler der Waldorfschule aus mehreren zur Wahl stehenden Stücken ausgewählt hatten, wurde von der zeitgenössischen Schweizer Autorin und Regisseurin Dominique Caillat speziell für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene geschrieben. 1998 gewann es den Jugendkulturpreis des Landes Rheinland-Pfalz, woraufhin die Produktion zu Gastspielen nach Tschechien (u.a. nach Theresienstadt) und Israel eingeladen wurde. 
Nina Hellmann

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