Hippie-Feeling an der Waldorfschule

27.07.2011 06:49

tanzende Hippies
Let the sun shine in
Wann gibt es das schon mal, dass Kinder und Eltern von der gleichen Musik begeistert sind? Die Songs des Musical "HAIR" von Galt McDermot, ein Meilenstein der Popkultur von 1968, hatten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Waldorfschule in Erftstadt gepackt.
Die bekannten Musiktitel, z. B. "Aquarius" oder "Let the Sunshine in", wurden mit tollen Choreographien, starken Solos und echtem Hippie-Fieber zwischen Komik und Tragik live und ohne Playback gespielt und gesungen. Die Schüler begeisterten das überwiegend aus der Elterngeneration bestehende Publikum. Und während einige in den Reihen ungeniert bei „Age of Aquarius“ mit schmetterten, verausgabten sich die Protagonisten bis in die dritte Zugabe.
"HAIR" ist und bleibt der Ausdruck des Protests der jungen Generation der späten 60er Jahre. Es verbildlicht Ablehnung des Establishments und provokative Aktion, mystische Wirklichkeitsflucht und philosophische Spekulation. Das unglückliche Schicksal des Hippies George Berger, der aus Versehen als Soldat in den Einsatz nach Vietnam geschickt wird, steht für den Protest gegen die Brutalität des Vietnamkriegs, in dem zeitweise 500.000 amerikanische Wehrpflichtige im Einsatz waren.
Regisseur Slava Rozentuller löste das Rockmusical in einigen Szenen bewußt aus dem historischen Hintergrund und machte es universeller, um auf die immer noch aktuelle Problematik der heutigen Gesellschaft und Regierung hinzuweisen. Er verzichtete bewußt auf amerikanische Attribute und ließ die Schüler ihre eigene Biographie einbringen.  "Es war nicht immer einfach, die Rollen zu besetzen und mit den Schülern gemeinsam die richtigen Charaktere zu finden," kommentiert Anja Holst, Lehrerin der 10. Klasse. Trotzdem wurden die Gegensätze von Spießbürgern gegen Hippies und Soldaten gegen Kriegsdienstverweigerer überzeugend gespielt und jeder ist ein Stück über sich hinausgewachsen.
Unterstützt wurden die SchülerInnen durch eine hochkarätige Elternband und individuelles Gesangstraining. Und da das Musical der 10. Klasse traditionell als Fremdsprachen-Projekt  konzipiert ist, das Ganze auch noch auf Englisch. Dennoch erscheint die Probenzeit von nur drei Wochen fast unglaublich kurz, um so eine Leistung mit Jugendlichen auf die Bühne zu bringen.  Viermal zeigten die SchülerInnen in zwei verschiedenen Besetzungen ihr Können, jedes Mal waren die Plätze in der Turnhalle der Schule fast komplett gefüllt.
Die Songs wurden enthusiastisch gesungen und getanzt und der Übergang von Tanz, Spiel und Gesang war perfekt - eine gelungene Aufführung.

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