Die Welle - Aufführungen der 8. Klasse in England

09.10.2009 00:00

Szene aus "Die Welle"
Szene aus "Die Welle"

Nach gelungenen Aufführungen am 05. und 06. März in Erftstadt tourte die 8. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt mit dem Theaterstück „die Welle“ Mitte März 09 in Schottland und England.

Mit den gesellschaftlichen Bedingungen für Faschismus und Nationalsozialismus beschäftigte sich die Schüler und Schülerinnen im Rahmen ihres Klassenspiels „Die Welle“. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Morton Rhue über eine wahre Begebenheit in den USA. Dort hatte in den 70er Jahren ein Lehrer an einer Highschool ein Experiment mit seiner neunten Klasse durchgeführt. Um den Schülern die Themen Faschismus und Holocaust möglichst anschaulich zu vermitteln, hatte er ein Projekt mit dem Namen „die Welle“ angestoßen.

Die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in Verbindung mit gemeinsamen Parolen („Erfolg durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft, Erfolg durch Aktion“) und militärischem Drill führen vordergründig zu besseren Schulleistungen, neuer Hilfsbereitschaft und größerer Identifikation mit der Klasse. Doch im Schatten der fast ausnahmslosen Begeisterung über die neue, „positive Kraft, die alle erfasst“ entsteht ein Klima des Gruppenzwangs und der Diskriminierung Andersdenkender mit rasanter Verbreitung weit über die Schule hinaus. Erst als eine Schülerin, die sich dem Experiment widersetzt, zusammengeschlagen wird, erkennt der Lehrer endlich, dass die Welle zu einer großen Gefahr geworden ist, die völlig außer Kontrolle zu geraten droht und schnellstens beendet werden muss.

Klassenlehrer Andreas Holst, der bei dem Stück gemeinsam mit der Theaterwissenschaftlerin und Schülermutter Sabine Kristkeitz Regie geführt hat, berichtet, dass er mit der Klasse im Unterricht und am Rande der Proben viel über die Entstehung des Nationalsozialismus und die Gefahren durch wiederaufkeimenden Faschismus diskutiert hat. Die Schüler hätten sich aus eigenem Interesse intensiv mit dem Themenbereich beschäftigt, Informationen gesammelt und eigene Ideen zur szenischen Umsetzung entwickelt.

Entsprechend engagiert und souverän spielten die Achtklässler dann auch in den vier Schulaufführungen. Anschließend fuhr die Klasse im Rahmen ihrer Klassenfahrt auf eine kleine Theater-Tournee nach Großbritannien. In drei Schulen bzw. Theatersälen in Edinburgh, York und London  traten die Erftstädter Schülerinnen und Schüler mit ihrem Klassenspiel auf.

Der erste Auftritt im Schottischen Edinburgh wurde sogar durch die Begrüßung des Generalkonsuls der Bundesrepublik Herrn Mössinger eingeleitet. Er betonte, das Theaterprojekt der achten Klasse trage gerade im Ausland zu einem besseren Verständnis der jüngeren deutschen Geschichte bei.

Die Schüler der Rudolph Steiner School Edinburgh, auf deren Stundenplan auch Deutschunterricht steht, folgten der Inszenierung aufmerksam. Zur Unterstützung des Verständnisses konnten die schottischen Schüler die englischsprachige Zusammenfassung einer jeden Szene auf einer Leinwand lesen Die Schüler aus Erftstadt meisterten die Herausforderung auf einer fremden Bühne aufzutreten mit Bravour. Innerhalb von nur drei Stunden wurde das Bühnenbild, die Technik und Maske aus dem Laderaum des Busses auf die Bühne gebracht und die Auf- und Abgänge durchgesprochen. In keiner Sekunde der Aufführung wirkten die Schüler desorientiert oder verunsichert. Ihr Engagement wurde durch standing ovations belohnt.

Einen Tag vor der Aufführung lernten die Erftstädter Waldorfschüler ihre schottische Parallelklasse kennen und stellten ihre Rollen vor. Der deutsche Besuch erklärte den schottischen Schülern, wie sie in den Proben die gemeinschaftsprägenden Rituale, die in dem Stück vorkommen, als positive Kraft erlebten und somit etwas von dem nachempfinden konnten, was sich als Stimmung in den Massenaufläufen im dritten Reich bei den Menschen abspielte.

 

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