Sprachen

In der Unterstufe wird in der ersten Klasse mit Englisch und Russisch im spielerischen Umgang begonnen. Die Kinder erlernen ihre ersten Sprachfähigkeiten, indem sie aus der Nachahmung heraus singend und sprechend alles mitmachen, was der Lehrer – im Idealfall ein Muttersprachler – an sie heranbringt. Die Kinder nehmen die Sprache wahr und plastizieren sie bis in die Lautlichkeit, die Emotionalität und Bewegung nach. Rhythmische Wiederholung in Variationen prägt das Gelernte ein.
 
So begründet sich der Spracherwerb zunächst in einem ganzheitlichen Erleben und Erfassen dessen, was einem die Sprache an Empfindungen und Bewegung mitteilt. Mit der individuellen Erfahrung der Sprachwirklichkeit, wie  Rudolf Steiner die Zielsetzung des Fremdsprachenerwerbes in der Waldorfschule charakterisiert, geht die Waldorfpädagogik über die  pragmatische Zielsetzung der Sprachbeherrschung und das der literarischen und ästhetischen Bildung hinaus.  Der Schüler lernt sich in die andere Sprachwirklichkeit hineinzuversetzen und wird in seiner Wahrnehmungsfähigkeit angeregt. 
 
In der Mittelstufe erwacht bei den Schülern die Fähigkeit des Kausaldenkens, in der sich das Erlernen der Sprache vom anschaulich - intiutiven  Spracherwerb zum Ergreifen der abstrakten Begrifflichkeit wandelt. Hier bietet gerade die russische Grammatik ein hervorragendes Betätigungsfeld. Die grammatikalischen Strukturen werden verstanden und geübt und eine sichere Anwendung des Gelernten angestrebt. In der Mittelstufe werden neben den landeskundlichen Themen  oft kleinere  Theaterstücke, Dialoge oder Szenen eingeübt die an das emotionale Erleben anknüpfen sollen.
 
In der Oberstufe  werden die erarbeiten Sprachfähigkeiten zur individuellen Positionierung zu den verschiedensten Themen angewendet.  Der Gebrauch der Fremdsprache  für ästhetische Betrachtungen und zielorientierte Lebenspraxis stehen dabei im Zentrum des Sprachgebrauches. In der 10. Klasse wird in der Regel ein Fremdsprachenstück, oft ein Musical, fächerübergreifend  erarbeitet und die Verbindung zur Sprache so vertieft. In der elften Klasse legen die Schüler in Englisch die staatlich zentral geprüfte ZP10  ab. Neben den waldorfspezifischen Themen bereiten sich die Schüler ab der 12. Klasse auf das Abitur vor. Schüler, die den berufskundlichen Zweig wählen, üben sich ab diesem Zeitpunkt überwiegend in praxisbezogener Anwendung der Sprache.